25 Mrz

Das erste Mal beim Poetry Slam

Da ist er nun: Mein erster Blogeintrag hier. WordPress ist noch gar nicht fertig eingerichtet, aber ich möchte das Erlebnis so schnell wie möglich aufschreiben, denn es war toll!

Über Spontacts war ich heute beim Poetry Slam im Café Mano. Das hat mich schon immer interessiert und so war es die perfekte Gelegenheit zum Ausprobieren.
Ich war früh genug dort um noch einen Tisch mit Blick auf die mini Bühne zu bekommen. Nach 19 Uhr füllte sich der Raum schon beachtlich und zu Beginn um 20 Uhr war es rappelvoll. Mit Getränken hatte man sich besser schon selbst versorgt, denn außer dem Geldeintreiber (3 €) geht keiner rum.
Das Teilnehmerfeld war übersichtlich: Jasmin, Daniel, Katrin und Ben.

Sarah Bosetti moderierte und bereitete das Publikum auf deren Aufgabe vor, in dem sie die Regeln erklärte und die Stimmung mit einer eigenen Geschichte über ihre <zensiert> aufbaute. Denn man kann sich vorstellen wie demütigend es ist, wenn man da als erster aufgeregt auf der Bühne steht, seinen Text abspult und die Leute nur verhalten klatschen.
Jasmin hatte die ersten 5 Minuten und las über die Räuber der Zeit und wie unser Leben verfliegt. Der Text sprach mich nicht an und ich fand sie rhetorisch nicht so dolle.
Daniel war da anders. Er weiß wie die Interaktion mit dem Publikum funktioniert, ist ein guter Redner und sein Text über den Frühling war witzig.
Katrin zog vor Jahren aus dem Osten nach München und setzte sich klug mit “Heimat” auseinander. Das sprach mich an und ich fand es auch gut erzählt.
Ben thematisierte Rassismus und trug noch ein zweites Gedicht vor, verhaspelte sich aber einmal zu oft.
Danach wurden die Texte von der Moderatorin zusammengefasst und das Publikum entschied mittels Applaus wer weiterkommen sollte. Übrig blieben Jasmin, Daniel und Katrin.

In der nächsten Runde fing Katrin mit einem Text über ihren Tortenwunsch an. Also es war kein echter Tortenwunsch, aber in meinem Gedächtnis grub sich das so ein. Daniel brillierte mit einem Nudelgedicht und für Jasmin war es vorbei.
Katrin entschied dann das Finale für sich und bekam als Preis die Ehre gewonnen zu haben.

Das also war ein Poetry Slam. Ich empfand es als ganz schön anstrengend, da man den oft schnell gesprochenen Versen sehr aufmerksam folgen muss. Doch es ist eine schöne Anstrengung. Ich war fast euphorisiert von dem Potential, das da unter uns zu spüren ist!

Das Publikum löste sich langsam auf. Ich suchte den Kontakt zur Neu-Münchnerin um ihren Kindern einen Backkurs anzubieten und ging froh durch die laue Frühlingsnacht zum Kotti.

Der “Mano Slam” findet jeden 4. Donnerstag eines Monats und ich kann es jedem nur empfehlen.

11 Jan

Dürer – Cranach – Holbein – Das deutsche Portrait um 1500

Ich hoffe es wird mir gelingen meine Überraschung deutlich genug zu schildern. Denn die alten Meister lösen bei mir normalerweise bestenfalls Respekt vor deren Können aus. Das war in der Frans Hals Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle so, in der Alten Pinakothek und überall dort, wo eben diese ‘alten Schinken’ hängen. In der Berliner Nationalgalerie sah ich mal einen spröden Kunststudenten, der eines dieser Bilder mit alten Mitteln nachmalte. So faszinierend diese zum Teil fast fotorealistischen Bilder auch sind – sie treffen einfach nicht meinen Geschmack.

 

Deshalb ging ich auch nur in diese Ausstellung, weil sie in der Hypo-Kunsthalle war. Dort sah ich oft Ausstellungen allein um meinen Horizont zu erweitern und das dachte ich mir auch bei dieser Ausstellung.Am letzten Arbeitstag vor meinem Kurzurlaub ging ich – viel zu spät – in die Hypo-Kunsthalle. Dank artcard zahlte ich ‘nur’ 10 €uronen. Dazu noch 5 € für den Audioführer, den ich praktisch immer nehme und dies nie bereut habe, weil sich mir vieles nur dadurch erschließt.

Im ersten Raum spricht die Kuratorin davon, dass sich in Deutschland noch nie jemand an das Thema des deutschen Portraits gewagt habe. Oke, ich habe das bisher auch nicht vermisst. Sie spricht noch von weiteren Highlights, die mir so nicht viel sagen. Zwar loben sich Ausstellungsmacher immer gern, aber langsam erfasste ich tatsächlich die Einzigartigkeit dieser Ausstellung. Was da hängt ist 500 Jahre alt! Es war die Zeit, in der Gutenberg mit seinem Buchdruck in Europa eine Medienrevolution auslöste so wie die Digitalisierung dies zu unserer Zeit weltweit tut.
Immer wieder wurden mir die Umstände der Zeit verdeutlicht.Schritt für Schritt wurde ich in scheinbare Banalitäten eingeweiht. Die vielen Zeichnungen, die Charakterstudien.
Mein Blick wurde geschärft. Es zählt nicht nur das Gesicht, nein, wichtiger ist das Drumherum: Die Ornamente im Hintergrund sollen dies andeuten … Der Mann trägt ein Gewand, das eigentlich nur Leuten höheren Standes vorbehalten war … Er steht mit seiner Familie zusammen dargestellt, was absolut unüblich war … Haben Sie dies bemerkt, haben Sie das bemerkt? Schauen Sie sich die Kette von Johanna an und den Dolch von Ferdinand und so weiter und so fort.
Ich erfuhr, dass sich die Striche mit der Silbernadel nicht zu korrigieren ließen. (Wenn ich nur daran denke, wie oft ich allein diesen Absatz korrigierte!)

Ich sah auch zwei Antlitze wieder, die Millionen kannten, aber kaum mehr über sie wussten:

Also zumindest der Jüngling hat es mal auf ein Plattencover geschafft.

Von Barthel Beham hatte ich vorher nie etwas gehört. Auch mein Audioführer hatte über ihn nichts zusagen. Nur eine leibhaftige Führerin machte ihre Lauschenden auf die vielen kleinen Details aufmerksam, wie die – hier nicht zu erkennende – tote Fliege für die Vergänglichkeit. Das tollste an dem Bild finde ich die auf dem Kopf stehend Jahreszahl, die das Entstehungsjahr kennzeichnet als hätte es der Schiedsrichter geschrieben.

 

Ich war so begeistert, dass ich am nächsten Tag auf dem Weg zum Bahnhof nochmals in diese Ausstellung ging!
18 Jun

Elmar Hauck – Horizonte

In den letzten Tagen streifte ich mal wieder durch eBay und fand kein weiteres Bild von Oskar Koller, aber eines aus seinem “Umfeld”. Das schreibt man gern wenn der eigentliche Künstler eher unbekannt ist. So kennt vermutlich kaum jemand Hans Thuar. Doch er ist aus dem Umfeld von August Macke. Wobei “Umfeld” dem Verhältnis nicht gerecht wird, denn Macke und Thuar waren gute Freunde.

Mag Elmar Hauck ein Unbekannter sein – sein Bild “Horizonte” gefiel mir.

 

Elmar Hauck – Horizonte

Aus den wenigen aber gut getroffenen Pinselstrichen schließe ich, dass dieser Elmar Hauck ein talentierter Maler ist. Mir gefiel es so sehr, dass ich ein Gebot abgab. Ich gewann für den Anfangspreis von 24 €uronen. Dazu bekam ich noch eine 6 DM Telefonkarte und ein Büchlein von Elmar Hauck. Von den Bilder darin gefiel mir keines.

So ist mein Bild eine schöne Ausnahme, wenn es auch blasser ankam als auf dem Foto.
Es erinnerte mich übrigens weniger an Oskar Koller, sondern an Siegward Sprotte:

Siegward Sprotte – Sylt

Nur beginnen seine Bilder gleich im 4-stelligen Bereich – das ist mir noch zu viel.

07 Mai

Liebermanns Gegner. Neue Secession und Expressionismus in Berlin

Immer wieder begegneten mir die beiden Begriffe “Berliner Secession” und “Neue Secession” und ich dachte bislang, dass sie die gleich Bedeutung hätten. Weit gefehlt! Jetzt lernte ich, dass die “Neue Seccesion” die Vereinigung war, in der sich die von der “Berliner Secession” ausgeschlossenen Künstler zusammen fanden und eine eigene Ausstellung veranstalteten.
Beim Schlendern durch die Ausstellung kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Müller, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Gabriele Münter, Franz Marc, Wassily Kandinsky, Wilhelm Lehmbruck waren alle mit von der Partie! Manche nur einmal, aber das genügte ja schon um Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu inspirieren.

 

 

Wirklich schön fand ich kaum ein Bild. Dennoch war die Ausstellung ein Highlight, weil mir so viele Zusammenhänge klar wurden. Gewünscht hätte ich mir nur noch eine Führung oder einen Audioführer.

06 Mai

Margarita Broich – Wenn der Vorhang fällt

Die Fotoausstellung gab es umsonst. Margarita Broich ist selbst Schauspielerin und nahm ihre Kollegen kurz nach der Vorstellung oder in einer Drehpause auf. Schauspieler, die sichtbar erschöpft von ihrem Tun sind. Viele Bilder strahlen eine so große Intimität aus, dass man geneigt ist wegzuschauen.

 

Ich kann mit Fotoausstellungen selten etwas anfangen. Diese Ausnahme bestätigt die Regel eindrucksvoll.

06 Mai

Kompass – Zeichnungen aus dem MoMA

Der Martin Gropius Bau ist vielleicht eine nicht so bekannte Adresse für gute Ausstellungen. Bis auf die umfangreiche Frida Kahlo Retrospektive sah ich dort bisher kaum einen (mir) bekannten Künstler. Doch genau das empfinde ich als große Bereicherung. Nie hätte mich beispielsweise der Name Dani Karavan gelockt. Doch seit einer Ausstellung weiß ich nun, dass er ein Bildhauer ist und für manch interessantes und schönes Projekt, wie z.B. die Straße der Menschenrechte in Nürnberg verantwortlich ist.

So war ich auch nicht besonders begeistert über das, was ich im Flyer über die heutige Ausstellung las, aber sowas nehme ich dann eben als Erweiterung meines kunsthistorischen Horizonts. In der Audioführung – ohne könnte ich mir so eine Ausstellung schenken – wurden immer wieder die Begriffe “Concept Art” und “Minimal Art” genannt. Mit letzterer werde ich gar nicht warm. Zwei Striche auf einem A3 Blatt empfinde ich als Beleidigung meiner Intelligenz. Die einzige Kunst, die ich darin erkennen kann, ist die einen Deppen zu finden, der dafür Geld ausgibt. Offensichtlich ist dies bei diesen Werken gelungen.

Wenn aber ein Konzept dahinter steht akzeptiere ich vieles. Ein beeindruckendes Exemplar ist “You can’t see the Forrest for the Trees” von Marcel Odenbach. Aus der Ferne sieht es wie ein hübsches Gemälde eines Birkenwalds aus. Die Birken sind aus Zeitungspapierfetzen und die Blätter sind grün gefärbte Köpfe aus alten Filmen und symbolisieren die Toten. Beides erkennt man erst, wenn man nah genug ans Bild heran tritt. Doch damit verliert man die Übersicht – man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Werken gefiel mir das sogar farblich.

Faszinierend fand ich auch die Geschichte von Henry Darger. Der war ein stiller Hausmeister in Chicago. Als er starb fand man in seiner Wohnung irre viel Aquarelle und einen 8000 Seiten umfassenden Roman. Das ist “Outsider Art”. Es wird vermutet, dass er so die Gewalt verarbeitete, die ihm in einem katholischen Waisenhaus angetan wurde.

Außernseiter gibt es ja viele. Aber wie viele solcher Genies sind wohl darunter?

05 Mai

Nolde/Schumacher – Verwandte Seelen

Früher war ich von Emil Nolde und seinen ewigen Blumenbildern gar nicht begeistert, aber durch die paar Ausstellungen erfuhr ich so viel über ihn, dass mir sein Werk durch meine Sehnsucht zum Norden sehr sympathisch ist.

Ich erfuhr zufällig am Vortag, dass es eine Führung vom Kurator der Ausstellung gäbe und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Die Führung begann nach der regulären Öffnungszeit, so dass die kleine Gruppe das Museum für sich hatte.

Von Emil Schumacher hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Er wurde 1912 geboren und begann eigentlich erst nach dem zweiten Weltkrieg wirklich zu malen. Viel wilder, viel gekleckster. Nichts, was normalerweise mein Interesse weckt. Doch gelang es Prof. Dr. Manfred Reuther dieses Interesse wenigstens für die Dauer der Führung zu wecken. Durch ihn sah ich die Parallelen und die Unterschiede.

Wo sich die Gelegenheit einer Führungen bietet nehme ich diese immer gern an, da man dabei immer wesentlich mehr erfährt, als durch reines Betrachten. Dieses Mal empfand ich es als besonders großes Glück ja doch eher zufällig dabei gewesen zu sein.

04 Mai

Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus

Es war ein zufälliger Besuch um den beginnenden Monsun zu überbrücken. Praktischerweise kostete es keinen Eintritt. Ich war schon einmal drin und fand es einfach nur interessant diese Stilrichtung zu entdecken. Aber für mich ist es eher schwere Kost. Nach der 83. Vase und der 426. Porzellanfigur bin ich dann auch bedient.

Bei den Bilder waren schon ein paar sehr schöne dabei. Es gab ja neben den bekannten aus der Secession noch viele andere tolle Maler und Malerinnen.

02 Mai

Karl Schmidt-Rottluff – Ostseebilder

Das Brücke Museum ist etwas abseits gelegen und ist am allgemeingültigen Museumsruhetag geöffnet. Deswegen gehe ich besonders gern am Montag in dieses Museum, dessen Fördererkreis ich angehöre. Auch diesmal waren kaum Besucher da, so dass ich die Ausstellung fast für mich allein hatte.
Gezeigt wurden Bilder von Karl Schmidt-Rottluff, die bei seinen Aufenthalten an der Ostsee entstanden. Es beginnt mit einer Orientierungsphase, in der er noch eher Tupfen malte. Doch bald entwickelt er seinen Stil, den er im Grunde bis zu seinem Tod 1976 beibehielt. Natürlich galten seine Bilder in der braunen Zeit als entartet und natürlich wurde auch er mit einem Malverbot belegt und natürlich hielt er sich nicht daran. Die Bilder, die in dieser Zeit entstanden sind jedoch etwas trister. Das wird besonders im Vergleich zu den Bildern deutlich, die nach dem Krieg entstehen. Die Bilder explodieren förmlich vor Farbe!
Das Brücke Museum hat zwar weltweit am meisten Bilder von Expressionisten, ist aber so klein, dass es nie sehr viele Bilder gezeigt werden können. So gibt es immer wieder alte Bekannte, aber auch neue Bilder zu sehen. Das schönste Bild hatte ich aber letztes Jahr schon gesehen. Es zeigt die Kieler Bucht als Farbenspiel, das mich an Bilder von Gabriele Münter erinnert.

Von den Malern der Brücke gefällt mir Karl Schmidt-Rottluff am besten. Ich mag seine Klarheit, dieses schnörkellose, einfache Darstellen, das dennoch nicht reine Gegenständlichkeit ist.

06 Mrz

Menschen und Dinge – 125 Jahre Archäologische Staatssammlung

Vor wenigen Jahren stolperte ich ziemlich zufällig ins Museum für Frühgeschichte. Das hat mich eigentlich nie interessiert. Doch damals an diese verregneten Dienstagvormittag tat ich trotzdem den entscheidenden Schritt über die Schwelle des Museums. Dort begeisterten mich vor allem die filigranen Dinge oder auch die Glaswaren. Wie haben die das vor 3000 Jahren bloß hergestellt?! Wie würde ich das heute herstellen?
Damals ging ich richtig ehrfürchtig aus dem Museum und seitdem interessiere ich mich zumindest genug dafür um ab und zu eine Ausstellung zu dem Thema anzusehen.

Diesmal ging es um 125 Dinge aus vielen Jahrtausenden, die von der Archäologische Staatssammlung für deren Jubiläum ausgewählt wurden. So beispielsweise auch diese Stiefel, die man heute kaum anders auch noch kaufen könnte:

Die Entscheidung eine Führung zu buchen war goldrichtig, denn nur so erschließen sich einem die wichtigen die Details, Hintergründe und Zusammenhänge, die die kurzen Texte zu Fundort und verwendetem Material nicht bieten können. So erfährt man zu diesem schönen Ding über den Text nur, dass es sich um eine Scheibenfibel aus Unterhaching, um 500 n. Chr. handelt. Was daran so spektakulär ist verriet die Führung …

 

… und natürlich verrate ich das nicht 😉