Ich hoffe es wird mir gelingen meine Überraschung deutlich genug zu schildern. Denn die alten Meister lösen bei mir normalerweise bestenfalls Respekt vor deren Können aus. Das war in der Frans Hals Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle so, in der Alten Pinakothek und überall dort, wo eben diese ‘alten Schinken’ hängen. In der Berliner Nationalgalerie sah ich mal einen spröden Kunststudenten, der eines dieser Bilder mit alten Mitteln nachmalte. So faszinierend diese zum Teil fast fotorealistischen Bilder auch sind – sie treffen einfach nicht meinen Geschmack.

 

Deshalb ging ich auch nur in diese Ausstellung, weil sie in der Hypo-Kunsthalle war. Dort sah ich oft Ausstellungen allein um meinen Horizont zu erweitern und das dachte ich mir auch bei dieser Ausstellung.Am letzten Arbeitstag vor meinem Kurzurlaub ging ich – viel zu spät – in die Hypo-Kunsthalle. Dank artcard zahlte ich ‘nur’ 10 €uronen. Dazu noch 5 € für den Audioführer, den ich praktisch immer nehme und dies nie bereut habe, weil sich mir vieles nur dadurch erschließt.

Im ersten Raum spricht die Kuratorin davon, dass sich in Deutschland noch nie jemand an das Thema des deutschen Portraits gewagt habe. Oke, ich habe das bisher auch nicht vermisst. Sie spricht noch von weiteren Highlights, die mir so nicht viel sagen. Zwar loben sich Ausstellungsmacher immer gern, aber langsam erfasste ich tatsächlich die Einzigartigkeit dieser Ausstellung. Was da hängt ist 500 Jahre alt! Es war die Zeit, in der Gutenberg mit seinem Buchdruck in Europa eine Medienrevolution auslöste so wie die Digitalisierung dies zu unserer Zeit weltweit tut.
Immer wieder wurden mir die Umstände der Zeit verdeutlicht.Schritt für Schritt wurde ich in scheinbare Banalitäten eingeweiht. Die vielen Zeichnungen, die Charakterstudien.
Mein Blick wurde geschärft. Es zählt nicht nur das Gesicht, nein, wichtiger ist das Drumherum: Die Ornamente im Hintergrund sollen dies andeuten … Der Mann trägt ein Gewand, das eigentlich nur Leuten höheren Standes vorbehalten war … Er steht mit seiner Familie zusammen dargestellt, was absolut unüblich war … Haben Sie dies bemerkt, haben Sie das bemerkt? Schauen Sie sich die Kette von Johanna an und den Dolch von Ferdinand und so weiter und so fort.
Ich erfuhr, dass sich die Striche mit der Silbernadel nicht zu korrigieren ließen. (Wenn ich nur daran denke, wie oft ich allein diesen Absatz korrigierte!)

Ich sah auch zwei Antlitze wieder, die Millionen kannten, aber kaum mehr über sie wussten:

Also zumindest der Jüngling hat es mal auf ein Plattencover geschafft.

Von Barthel Beham hatte ich vorher nie etwas gehört. Auch mein Audioführer hatte über ihn nichts zusagen. Nur eine leibhaftige Führerin machte ihre Lauschenden auf die vielen kleinen Details aufmerksam, wie die – hier nicht zu erkennende – tote Fliege für die Vergänglichkeit. Das tollste an dem Bild finde ich die auf dem Kopf stehend Jahreszahl, die das Entstehungsjahr kennzeichnet als hätte es der Schiedsrichter geschrieben.

 

Ich war so begeistert, dass ich am nächsten Tag auf dem Weg zum Bahnhof nochmals in diese Ausstellung ging!
Dürer – Cranach – Holbein – Das deutsche Portrait um 1500
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