07 Mai

Liebermanns Gegner. Neue Secession und Expressionismus in Berlin

Immer wieder begegneten mir die beiden Begriffe “Berliner Secession” und “Neue Secession” und ich dachte bislang, dass sie die gleich Bedeutung hätten. Weit gefehlt! Jetzt lernte ich, dass die “Neue Seccesion” die Vereinigung war, in der sich die von der “Berliner Secession” ausgeschlossenen Künstler zusammen fanden und eine eigene Ausstellung veranstalteten.
Beim Schlendern durch die Ausstellung kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Müller, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Gabriele Münter, Franz Marc, Wassily Kandinsky, Wilhelm Lehmbruck waren alle mit von der Partie! Manche nur einmal, aber das genügte ja schon um Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu inspirieren.

 

 

Wirklich schön fand ich kaum ein Bild. Dennoch war die Ausstellung ein Highlight, weil mir so viele Zusammenhänge klar wurden. Gewünscht hätte ich mir nur noch eine Führung oder einen Audioführer.

06 Mai

Margarita Broich – Wenn der Vorhang fällt

Die Fotoausstellung gab es umsonst. Margarita Broich ist selbst Schauspielerin und nahm ihre Kollegen kurz nach der Vorstellung oder in einer Drehpause auf. Schauspieler, die sichtbar erschöpft von ihrem Tun sind. Viele Bilder strahlen eine so große Intimität aus, dass man geneigt ist wegzuschauen.

 

Ich kann mit Fotoausstellungen selten etwas anfangen. Diese Ausnahme bestätigt die Regel eindrucksvoll.

06 Mai

Kompass – Zeichnungen aus dem MoMA

Der Martin Gropius Bau ist vielleicht eine nicht so bekannte Adresse für gute Ausstellungen. Bis auf die umfangreiche Frida Kahlo Retrospektive sah ich dort bisher kaum einen (mir) bekannten Künstler. Doch genau das empfinde ich als große Bereicherung. Nie hätte mich beispielsweise der Name Dani Karavan gelockt. Doch seit einer Ausstellung weiß ich nun, dass er ein Bildhauer ist und für manch interessantes und schönes Projekt, wie z.B. die Straße der Menschenrechte in Nürnberg verantwortlich ist.

So war ich auch nicht besonders begeistert über das, was ich im Flyer über die heutige Ausstellung las, aber sowas nehme ich dann eben als Erweiterung meines kunsthistorischen Horizonts. In der Audioführung – ohne könnte ich mir so eine Ausstellung schenken – wurden immer wieder die Begriffe “Concept Art” und “Minimal Art” genannt. Mit letzterer werde ich gar nicht warm. Zwei Striche auf einem A3 Blatt empfinde ich als Beleidigung meiner Intelligenz. Die einzige Kunst, die ich darin erkennen kann, ist die einen Deppen zu finden, der dafür Geld ausgibt. Offensichtlich ist dies bei diesen Werken gelungen.

Wenn aber ein Konzept dahinter steht akzeptiere ich vieles. Ein beeindruckendes Exemplar ist “You can’t see the Forrest for the Trees” von Marcel Odenbach. Aus der Ferne sieht es wie ein hübsches Gemälde eines Birkenwalds aus. Die Birken sind aus Zeitungspapierfetzen und die Blätter sind grün gefärbte Köpfe aus alten Filmen und symbolisieren die Toten. Beides erkennt man erst, wenn man nah genug ans Bild heran tritt. Doch damit verliert man die Übersicht – man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Werken gefiel mir das sogar farblich.

Faszinierend fand ich auch die Geschichte von Henry Darger. Der war ein stiller Hausmeister in Chicago. Als er starb fand man in seiner Wohnung irre viel Aquarelle und einen 8000 Seiten umfassenden Roman. Das ist “Outsider Art”. Es wird vermutet, dass er so die Gewalt verarbeitete, die ihm in einem katholischen Waisenhaus angetan wurde.

Außernseiter gibt es ja viele. Aber wie viele solcher Genies sind wohl darunter?

05 Mai

Nolde/Schumacher – Verwandte Seelen

Früher war ich von Emil Nolde und seinen ewigen Blumenbildern gar nicht begeistert, aber durch die paar Ausstellungen erfuhr ich so viel über ihn, dass mir sein Werk durch meine Sehnsucht zum Norden sehr sympathisch ist.

Ich erfuhr zufällig am Vortag, dass es eine Führung vom Kurator der Ausstellung gäbe und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Die Führung begann nach der regulären Öffnungszeit, so dass die kleine Gruppe das Museum für sich hatte.

Von Emil Schumacher hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Er wurde 1912 geboren und begann eigentlich erst nach dem zweiten Weltkrieg wirklich zu malen. Viel wilder, viel gekleckster. Nichts, was normalerweise mein Interesse weckt. Doch gelang es Prof. Dr. Manfred Reuther dieses Interesse wenigstens für die Dauer der Führung zu wecken. Durch ihn sah ich die Parallelen und die Unterschiede.

Wo sich die Gelegenheit einer Führungen bietet nehme ich diese immer gern an, da man dabei immer wesentlich mehr erfährt, als durch reines Betrachten. Dieses Mal empfand ich es als besonders großes Glück ja doch eher zufällig dabei gewesen zu sein.

04 Mai

Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus

Es war ein zufälliger Besuch um den beginnenden Monsun zu überbrücken. Praktischerweise kostete es keinen Eintritt. Ich war schon einmal drin und fand es einfach nur interessant diese Stilrichtung zu entdecken. Aber für mich ist es eher schwere Kost. Nach der 83. Vase und der 426. Porzellanfigur bin ich dann auch bedient.

Bei den Bilder waren schon ein paar sehr schöne dabei. Es gab ja neben den bekannten aus der Secession noch viele andere tolle Maler und Malerinnen.

02 Mai

Karl Schmidt-Rottluff – Ostseebilder

Das Brücke Museum ist etwas abseits gelegen und ist am allgemeingültigen Museumsruhetag geöffnet. Deswegen gehe ich besonders gern am Montag in dieses Museum, dessen Fördererkreis ich angehöre. Auch diesmal waren kaum Besucher da, so dass ich die Ausstellung fast für mich allein hatte.
Gezeigt wurden Bilder von Karl Schmidt-Rottluff, die bei seinen Aufenthalten an der Ostsee entstanden. Es beginnt mit einer Orientierungsphase, in der er noch eher Tupfen malte. Doch bald entwickelt er seinen Stil, den er im Grunde bis zu seinem Tod 1976 beibehielt. Natürlich galten seine Bilder in der braunen Zeit als entartet und natürlich wurde auch er mit einem Malverbot belegt und natürlich hielt er sich nicht daran. Die Bilder, die in dieser Zeit entstanden sind jedoch etwas trister. Das wird besonders im Vergleich zu den Bildern deutlich, die nach dem Krieg entstehen. Die Bilder explodieren förmlich vor Farbe!
Das Brücke Museum hat zwar weltweit am meisten Bilder von Expressionisten, ist aber so klein, dass es nie sehr viele Bilder gezeigt werden können. So gibt es immer wieder alte Bekannte, aber auch neue Bilder zu sehen. Das schönste Bild hatte ich aber letztes Jahr schon gesehen. Es zeigt die Kieler Bucht als Farbenspiel, das mich an Bilder von Gabriele Münter erinnert.

Von den Malern der Brücke gefällt mir Karl Schmidt-Rottluff am besten. Ich mag seine Klarheit, dieses schnörkellose, einfache Darstellen, das dennoch nicht reine Gegenständlichkeit ist.